Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben. Aber meine Bloggerfreundin und -kollegin und enthusiastische Triathletin Mandy von Go Girl! Run! hat mich dazu überredet. Im Nachhinein ist die Geschichte ganz witzig und das möchte ich euch eigentlich nicht vorenthalten!

Im Mai war ich von Thomas Cook eingeladen, auf Mallorca den Ironman 70.3 live mitzuerleben. Ich bin keine begnadete Schwimmerin und Radfahren macht mir auch nur begrenzt Spaß. Deshalb hatte ich bisher nie viel für Triathlon übrig. Da ich aber immer offen für Neues bin, hatte ich der Reise zugesagt und war gespannt, was mich erwartete.

 

WER ALS ERSTES ANKOMMT, NENNEN WIR IRONMAN

Da stand ich also, an einem verregneten Wochenende in Alcúdia auf Mallorca. Während sich die Athleten am Morgen im strömenden Regen im Startbereich für ihren Wettkampf vorbereiteten, saß ich im Trockenen beim Frühstück und wartete auf den Start des Ironmans 70.3 auf Mallorca.

Während die Normalsterblichen nur wenige Minuten im Wasser waren, kamen die ersten Profi-Männer bereits ein paar Hundert Meter weiter wieder am Strand an und sprinteten in die Wechselzone. Bisher hatte sich an der Wettersituation nichts geändert, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Zuschauer standen mit Schirmen und Regenponchos an den Absperrungen und feuerten die Athleten an. Ich spürte die wahnsinnige Stimmung in der Wechselzone und war eigentlich bereit gleich selber auf ein Rad zu springen und loszufahren.

Gänsehautmomente erlebte ich dann im Zielbereich, als die ersten Athleten, durch die Menge angefeuert, die letzten Meter ins Ziel sprinteten. Was für eine Leistung, dachte ich mir und zog imaginär vor jedem Athleten, der an diesem Tag an den Start ging, den Hut. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich selber ein paar Wochen später an der Startlinie eines Triathlons stehen würde.

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Fotos: Go Girl! Run

MITTEN DRIN STATT NUR DABEI

Zwei Wochen später. Ich sprintete fünf Minuten vor Startschuss in die Wechselzone des Triathlon.de CUP Schnuppertriathlons und das Chaos nahm seinen Lauf. Im Internet wurden falsche Zeiten angegeben und somit fand ich mich eine Stunde zu spät auf dem Gelände ein. Ohne viel Zeit zu verlieren, verstaute ich mein Fahrrad an seinem Platz, schmiss meine Sachen kreuz und quer daneben, kramte meine Schwimmsachen aus dem Rucksack und versuchte im Laufen meine Badekappe über meine Haare zu ziehen. Ich hatte noch nie eine Badekappe auf, wie benutzt man sowas? Während alle im Neopren langsam das Wasser austesteten, stand ich in Sport-BH und Badehöschen am Rand. Ich erntete mitleidige Blicke, aber zu dem Zeitpunkt war ich so unter Adrenalin, dass ich das 16 Grad kalte Wasser kaum merkte.

Eigentlich hatte ich mir das alles auch anders vorgestellt. Es war mein erstes Mal und ich wollte alles ganz genau dokumentieren. Mit GoPro und Snapchat. Als man mir Triathlon schmackhaft machen wollte und mir einen Startplatz für den Schnuppertriathlon mit 200 Meter Schwimmen, 10 Kilometer Radfahren und 2,5 Kilometer Laufen anbot, dachte ich mir, das wäre doch eine gute Gelegenheit, die ganze Sache mal auszuprobieren. Die Distanzen fand ich human und sowieso war gar keine Zeit mehr für Training. Und plötzlich stand ich im Wasser und konnte mich nicht mal mental auf das vorbereiten, was vor mir lag.

 

WIE DIE QUALLE SICH FORTBEWEGT

Der Startschuss ertönte und alle schwammen davon. Nach nur kurzer Zeit war ich das Schlusslicht und neben mir paddelte ein Rettungsschwimmer auf seinem Board. Ich winkte ihm nett zu und dachte mir selber ‚Was machst du hier und wann wirst du aufgeben?’. Wie bereits erwähnt, ist Schwimmen so gar nicht meine Stärke. Kraulen? Von wegen, Brustschwimmen war angesagt. Ach was, ich versuchte alle möglichen Arten von Schwimmen, um schnell wieder aus dem Wasser zu kommen. Sollte ich doch aufgeben und mich vom Rettungsschwimmer an Land bringen lassen?
Die ersten erreichten das Land und wechselten aufs Rad. Ich war gerade erst um die zweite Kurve gebogen und somit wenigstens schon mal auf dem Rückweg. Am besten eignete sich übrigens Rückenlage mit starken Beinstößen, wie eine Qualle. So kam ich wenigstens am Besten vorwärts.

Von der Tribüne hörte ich den Moderator sagen, dass jetzt die Letzte noch im Wasser wäre. Toll, dachte ich. Ich hasse es Letzte zu sein und versuchte irgendwie weiter Richtung Land zu „quallen“. Irgendwann erreichte auch ich, zu meiner Überraschung mit tosendem Applaus, das Ufer. Naja, zumindest so tosend, wie es bei den wenigen Zuschauern sein konnte.

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RAUF AUFS RAD

Froh, endlich mit dem Schwimmen fertig zu sein, ging ich gemütlich zu meinem Fahrrad. Mir kam zugute, dass ich keinen Neo anhatte, so brauchte ich nur flink meine Lauf-Hose und -Schuhe anziehen und ich war fertig für die nächste Etappe. Dennoch war ich wieder die letzte, die die Wechselzone mit dem Fahrrad verließ. Aber übrigens nicht, ohne mich von einem Beaufsichtiger darauf hinweisen zu lassen, dass ich noch keinen Helm anhatte. Endlich aus der Wechselzone raus und auf dem Rad, hatte ich etwa 20 Minuten Zeit, mich darüber aufzuregen, dass ich zu spät zum Start gekommen war (auf Grund falscher Angaben im Internet), wegen der Chaos keine Fotos machen konnte, dass ich die Teilnehmer mit ihren schicken Rennrädern nicht überholen konnte und dass ich nur noch eine Sicherheitsnadel im Gras finden konnte, die meine Startnummer an meinem Shirt hielt. Dicker Pluspunkt an die Dame, die in der zweiten Kurve stand und mich jedes Mal fleißig mit Applaus motivierte!

Wie nicht anders zu erwarten war, war ich wieder die Letzte in der Wechselzone um mein Rad wieder ordentlich zu verstauen und mich auf die Laufstrecke zu begeben. Mir kam wieder zu gute, dass ich keine Fahrradschuhe anhatte und gleich losflitzen konnte. Von weitem sah ich schon, dass jemand vor mir ging, den ich in wenigen Minuten überholen würde. Ich lief an ihr vorbei und versuchte sie noch zu motivieren weiter zu laufen. Aber entweder konnte sie einfach nicht mehr oder sie hatte kein Bock mehr. Wie auch immer, ich war nicht mehr Letzte!

Ich weiß nicht, wie lange ich für die läppischen 2,5 Kilometer brauchte, ich war einfach froh, als Vorvorletzte das Ziel erreicht zu haben. Ich war froh diesen Chaos-Triathlon überstanden und gefinished zu haben. Mein erstes Mal hatte ich mir anders vorgestellt, aber ist das nicht immer so?

 

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MACH ICH ES NOCHMAL?

Leider konnte ich nur noch abschließende Worte über Snapchat verfassen. Ich ärgerte mich allerdings noch Tage später, dass ich es in dem Chaos und der Hetze nicht geschafft hatte, meine GoPro mit auf die Strecke zu nehmen und ein paar schicke Fotos fürs Fotoalbum zu machen. Das einzige, was ich habe sind verwackelte und unscharfe Videos.

Werde ich es noch einmal machen? Ich bin ehrlich – nein! Ich bin kein Schwimmer und ich bin kein Radler, ich bleibe beim Marathon und überlass den Triathlon denen, die wirklich Spaß an der Sache haben.