Es gibt für alles ein erstes Mal! Meine Camping- und Zelterlebnisse begrenzen sich auf das Zelten im heimischen Garten. Damals konnte man mitten in der Nacht wieder ins Haus schleichen und unter die warme Decke kuscheln, wenn es im Zelt doch etwas kühler wurde. Aber jetzt wurde es Ernst!

Zelten kam für mich nur selten in Frage. Im Urlaub bestand ich meistens darauf, ein warmes Bett und eine Dusche zu haben.

Während unserer Urlaubsplanung für Patagonien wurde uns leider sehr schnell bewusst, dass Hotels, gerade im Nationalpark Torres del Paine, sehr begrenzt und kostspielig sind. Also hieß es back to the roots und ein Zelt musste her. Nur schwer ließ ich mich für das Zelten begeistern. Vorallem, weil es in Patagonien um diese Jahreszeit nicht sonderlich warm wird und dort immer windige Verhältnisse herrschen. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto mehr freute ich mich auf unser Abenteuer.

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Am ersten Tag in Patagonien machten wir uns auf dem Weg zum Nationalpark Torres del Paine. Geplant  war, dass wir zum  Camp Torres wandern und dort das Zelt für unsere erste Nacht aufschlagen. Und ja, ich freute mich darauf. Allerdings war, trotz Nebensaison, viel los und das Camp ausgebucht. Hatte wohl auch damit zu tun, dass das Camp Chileno, das unterhalb liegt, auf Grund von verstopften Toiletten geschlossen wurde und alle auf das Camp Torres ausweichen mussten. Also blieben wir am Fuß des Gebirges und bauten unsere Behausung auf dem Campingplatz des Refugio Las Torres auf, mit Blick auf die Torres del Paine.

 

DIE NACHT DER WAHRHEIT

Die erste Nacht war wirklich angenehm und ich konnte, wider Erwarten, gut schlafen! Da wir, auf Grund der langen Wanderungen auf überflüssiges Gewicht verzichtet haben, hatte ich kein Kissen dabei und nutze einen Pullover als Ersatz. Unsere Matten, die wir noch kurz vor Abflug in sämtlichen Outdoor-Läden Münchens gesucht und getestet hatten, war nicht sonderlich gemütlich. Aber ich lernte, dass sie keine Matratze ersetzen, sondern lediglich die Kälte reflektieren soll. Nun gut. Kälte von unten spürte ich nicht, ungemütlich war es trotzdem.

Das Schönste war allerdings, als wir am Morgen den Reissverschluss des Eingangs öffneten und wir direkt Sicht auf das Gebirge hatten, das gerade von den ersten Sonnenstrahlen angeschienen wurde. Wenn das nicht mal ein Grund ist, aufzustehen. Wobei … ich hätte auch ewig im Zelt liegen und einfach nur die Aussicht genießen können.

In der zweiten Nacht entwickelte sich ein unheimlicher Sturm und ich dachte, wir würden mit unserem Zelt abheben und gleich zum nächsten Campingplatz fliegen. Das hätte uns zumindest das Wandern abgenommen. Die typischen patagonischen Stürme ließen sich also doch noch blicken. Ich machte kaum ein Auge zu. Die Zeltwände wurden ständig eingedrückt und ich hatte Angst, dass meine Schuhe, die im „Vorzelt“ standen, wegwehen würden. Das gute war, dass wir im Zelt kaum etwas vom Wind gespürt haben. Wir konnten den Wind zwar durch die eingedrückten Zeltwände und dem Getose wahrnehmen, aber nur hin und wieder kam ein laues Lüftchen durch das Gewebe durch. Ich war beeindruckt!

 

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Allerdings ließen wir uns vom schlechten Wetter so imponieren, dass wir wortwörtlich unsere Zelte abbrachen und vor dem Wind und Regen flohen. Die kalten Duschen, die Fertignudeln, di wir auf dem Campingkocher kochten, das Panorama, das Kuscheln und das einfache Leben im Zelt machte mir allerdings soviel Spaß, dass ich auf Feuerland unbedingt noch einmal zelten wollte. Was wir nicht wussten, die Argentinier lieben es wohl zu streiken und blockierten die Zufahrt zum Ort Ushuaia. Nur mit einem kleinen Rucksack bewaffnet traten wir den Fußmarsch in den Ort an und ließen alles Überflüssige, auch das Zelt, im Auto zurück. Bis zum Campingplatz kamen wir ohne Auto leider auch nicht, weshalb wir für die letzten Tage dann doch noch in einer Hosteria schlafen mussten.

Zugegeben, das Zelten hat mir wirklich Spaß gemacht. Es war mal etwas anderes, als jeden Abend in ein gemachtes Bett zu kriechen. Die Stimmung auf dem Campingplatz mit der wahnsinns Aussicht und den hundert anderen Campern war wundervoll. Und das Schönste: die Aussicht, die man hat! Das hat kaum ein Hotel zu bieten, und wenn ja, dann zu überteuerten Preisen!

Mach ich es nochmal? Na klar! Jetzt bin ich angefixt!

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