Die Blumeninsel Madeira im Atlantischen Ozean ist nicht nur wegen der kurzen und äußerst schwierig anzufliegenden Landebahn besonders (wir haben mehrmals beobachten können, wie Flugzeuge bei stürmischen Wetter den Anflug abbrechen mussten). Die Insel ist vielfältig und trumpft mit fantastischen Ausblicken von den höchsten Gipfeln, dem grünen und rauen Norden, der an Hawaii erinnert, und das bergige Inselinnere, das an La Réunion erinnert.

Kaum zu glauben, aber wahr, die Insel ist gerade mal etwa 50 Kilometer lang und an der breitesten Stelle so weit wie ein Halbmarathon – 20 Kilometer. Aber dennoch sollte man diese Distanzen nicht unterschätzen, denn die Straßen führen oft durch zerklüftete Täler, die umfahren werden müssen und steile Straßen lassen das Auto oftmals im ersten Gang einfach nur kriechen. Daher ist auch für eine komplette Umrundung der Insel auf der gut ausgebauten Express VR1 und 101 einiges an Zeit mitzubringen. Mal von den unzähligen Stopps für die Miradourus (Aussichtspunkte) abgesehen.

 

 

STÄDTE AUF MADEIRA

Funchal

Die Hauptstadt und die Stadt mit den meisten Einwohnern ist Funchal im Süden der Insel. Die Stadt liegt direkt am Meer und breitet sich in die nahegelegenen Hügel aus. Allein die Fahrt über die VR1 durch Funchal ist gigantisch.
Etwas außerhalb, in Santa Cruz, liegt der einzige Flughafen der Insel. Das besondere am Flughafen ist die nur zwei ein halb Kilometer lange Start- und Landebahn, die teilweise auf Stelzen gebaut wurde. Im Vergleich, in der Regel haben Startbahnen etwa fünf Kilometer. Daher ist schon der Landeanflug auf die Blumeninsel etwas Besonderes.
Funchal besitzt auch einen großen Hafen, in dem jede Woche Kreuzfahrtschiffe anlegen und die Touristen regelrecht ausspucken. Besonders beliebte Ausflugsorte der Hauptstadt sind der Fortaleza do Pico, die Teleferico (eine Seilbahn, die nach Monte hochfährt) und der Botanische Garten.
Beliebt und bekannt ist außerdem die gläserne Aussichtsplattform Cabo Girao. Die Plattform ragt 580 Meter über Europas höchster Steilklippe.

Porto Moniz

An der Nordküste ist die zweitgrößte Stadt der Insel zu finden. Die Stadt liegt direkt an der 101, auf der man die Insel ein mal umrunden kann. Hier kann der Wind etwas rauer wehen. Das Highlight ist das große Naturbadebecken, das aus erstarrter Lava besteht. Auch sehr beliebt sind die schwarzen Felsen Ilheus da Rib und Ilheus da Janela östlich und nur wenige Kilometer vor Porto Moniz.

 

 

WANDERUNGEN AUF MADEIRA

Pico Ruivo

Der höchste und ein beliebter Berg zum Besteigen ist der Pico Ruivo. Den kann man von zwei Seiten besteigen. Bei Wanderern beliebter und die spektakulärere Tour ist die vom Pico Arieiro. Die Tour führt zunächst über den Pico Torres und durch diverse Tunnel. Laut Rother Wanderführer dauert die Tour sechs Stunden. Aufgrund meiner Schwangerschaft haben wir sogar etwas länger gebraucht.
Die zweite Variante startet von Achada do Teixeira und ist bei den meisten Touristen die bevorzugte Tour. Von hier aus kommt man in etwa zwei Stunden zum Gipfel. Daher ist der Gipfel meist etwas überfüllt, Ruhe findet man dort nur, wenn schlechtes Wetter herrscht.

Wer übrigens nicht vom Pico Areiro aus wandern möchte, sollte trotzdem zum 20-minütigen entfernten Aussichtspunkt Ninho da Manta laufen. Von hier hat man eine wundervolle Aussicht ins Tal Faja da Nogueira.

Pico Grande

Während unserem Aufenthalt war die Tour laut der Internetseite des Tourismusverband Madeira geschlossen. Wir waren allerdings nicht vor Ort um zu checken, ob die Info aktuell ist. Vom Pico Grande soll man allerdings eine noch schöne Aussicht als vom Pico Ruivo haben.

Von Machico nach Porto da Cruz

Besonders beliebt ist auch die Wanderung entlang der Nordküste von Machico nach Porto da Cruz. Wir sind nur bis zum Aussichtspunkt Boca do Risco gelaufen. Gestartet sind wir vor dem Canical-Tunnel und zunächst entlang der Levada do Canical gelaufen. Diese verlässt man aber nach etwa einer dreiviertel Stunde und man gelangt nach einer weiteren halben Stunde zum Aussichtspunkt Boca do Risco. Hier wird es etwas windiger und frischer. Die Tour bis nach Porto da Cruz dauert insgesamt fünf Stunden. Es ist sinnvoll, ein Taxi zum Startpunkt zu nehmen und am Endpunkt wieder mit einem Taxi zurück zu fahren.

Sao Lourenco

Ein kleines Schmankerl ist die Tour auf die Halbinsel im Osten der Blumeninsel. Es lohnt sich, die Tour früh zu starten, denn je später es wird, desto mehr Busse laden Tagesausflüge am Parkplatz der Tour aus. Der Weg zur Halbinsel führt entlang der steil abfallender Küste mit dem tiefblauen Wasser und endet auf dem höchsten Punkt der Halbinsel. Von hier hat man an schönen Tagen eine wunderbare Aussicht auf die Insel und auf das Landesinnere wie zum Beispiel dem Pico Areiro, den man ganz gut mit seiner Radarstation der portugiesischen Luftstreitkräfte erkennen kann.

 

LEVADA-WANDERUNGEN AUF MADEIRA

Besonders beliebt sind Levada-Wanderungen. Levadas sind kleine Flussläufe, die im 19. Jahrhundert von Sklaven erbaut wurden, um das Wasser vom Landesinnere zu den Zuckerrohrplantagen zu leiten. Zuckerrohr wird heute nicht mehr angebaut, aber die Levadas eignen sich bestens zum entlanglaufen.

Cladeirao Verde

Eine der schönsten und beeindruckendsten Levada-Wanderung ist die Tour in den „Grünen Kessel“. Die Tour ist einfach, hat nur minimale Steigung und endet an einem Wasserfall. An schönen Tag ist die Tour überlaufen und es kann an Engstellen zu längeren Wartezeiten kommen.
Leider hatten wir an dem Tag, als wir die Tour gelaufen sind, nur Nebel als Ausblick. Aber laut Wanderführer soll man hier eine wundervolle Aussicht auf die Nordküste haben. Die Tour verläuft durch einen Lorbeerwald und wurde teilweise in den Fels geschlagen. Der Weg führt sogar durch einige Tunnel. Eine Taschenlampe sollte auf jeden Fall eingepackt werden!
Wer ambitioniert ist, kann die Tour vom Caldeirao Verde zum Caldeirao do Inferno ergänzen. Die Tour führt zunächst über Stufen in die Höhe, durch eine Schlucht und weitere Tunnel zu einem kleinen Tümpel. Der Weg dorthin ist allerdings interessanter als das Ziel.

Risco Waserfall & 25 Fontes bei Rabacal

Eine weitere Levada-Wanderung, die sich lohnt, ist die zum Risco Wasserfall, die man perfekt mit der Wanderung zu den 25 Fontes verbinden kann. Zunächst läuft man auf einer Straße etwa 300 Meter hinunter. Für Faule oder Ältere fährt hier ein Shuttle vom Parkplatz bis zum Ende der geteerten Straße. Von hier startet die eigentliche Levada-Wanderung ohne Auf- oder Abstieg zum Risco Wasserfall. Etwa nach der Hälfte zweigt ein Weg zum 25 Fontes ab. Beide Touren zusammen dauern etwa zwei Stunden.

Weitere Levada-Touren und Wanderungen findest du im Rother Wanderführer für Madeira.

 

 

 

MEIN TIPP

Ein kleines Highlight habe ich noch. Die Straße VE 4 durch das Tal bis zum Aussichtspunkt Encumeada. Der Aussichtspunkt ist nur halb so schön wie die Fahrt durch das Tal bis zur Hochebene Paul da Serra. Hier kann man eine kleine Wanderung von 20 Minuten zum Aussichtspunkt Paul da Serra machen und die Aussicht auf die Dächer der Insel genießen. Am bestens gegen Nachmittag oder Abend hochlaufen, damit die Sonne die Gipfel anstrahlt.

 

Vielen Dank an Mair Dumont, die mir den Marco Polo Reiseführer und Dumont Reiseführer zur Verfügung gestellt haben.